Email Site Map Lian Chinaherb YouTube Channel Lian Chinaherb Facebook  
 
 
 
 
 
Allergische Rhinitis
Die Lehrbücher
vernachlässigen die Hitze
 
 
Bis zu 20 Prozent der Menschen leiden an allergischer Rhinitis, deren häufigste Form der Heuschnupfen ist. Die Traditionelle Chinesische Medizin, so Autor Robert Helmer, kann eine erfolgversprechende Therapie anbieten. Aber Helmer zweifelt an der gängigen Lehrmeinung: Nicht ein Wind-Kälte-Muster liege in den meisten Fällen zugrunde, sondern eine heisse Konstitution.
Die Krankheit Rhinitis ist zwar nicht lebensbedrohlich, kann aber, wenn man sie unbehandelt lässt, die Lebensqualität ernsthaft schmälern. Und Rhinitis verursacht erhebliche Kosten: In den USA geben Patienten jährlich mehr als
3 Milliarden Dollar für ärztlich verschriebene Antihistamine aus.
In den vergangenen 30 Jahren ist die Häufigkeit der Krankheit in industrialisierten Ländern dramatisch gestiegen; England, Schweden und Australien melden eine Verdoppelung der Fälle (vgl. Kasten S. 2 zur Lage in der Schweiz). Dieser Trend entspricht demjenigen, der bezüglich anderer allergischer Erkrankungen wie Ekzeme oder Asthma zu beobachten ist (Blaiss MS: Quality of life in allergic rhinitis. Ann Allergy Asthma Immunol 1999 Nov.;
83(5): 449–54).
Die gesamten direkten und indirekten Kosten durch allergische Rhinitis in den USA wurden kürzlich auf 5,3 Milliarden Dollar jährlich veranschlagt. Rhinitis kann die Lern- und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen,
was zu zusätzlichen Problemen führt. Allein in den USA gehen pro Jahr 10 Millionen Schul- und Arbeitstage durch allergische Rhinitis verloren.
Juckende und tränende Augen, laufende Nase, Dauerniesen … Heuschnupfen vermiest vielen Menschen die Frühlings- und Sommermonate.
TCM kann wirksam behandeln
Da die moderne Medizin bisher keine auf längere Sicht wirksame Behandlung gegen allergische Rhinitis zur Verfügung hat, suchen viele Patienten die Hilfe der Traditionellen Chinesischen Medizin. Ich glaube, die TCM kann eine wirksame Behandlung anbieten und sowohl unmittelbare Hilfe leisten als auch langfristige Resultate erzielen.
Dennoch bin ich nicht einverstanden mit den Methoden und Heilmitteln, die gemeinhin in den Lehrbüchern und an den Ausbildungsstätten der TCM diskutiert werden. Meines Erachtens haben sich gerade die am häufigsten empfoh-lenen Behandlungen dieser Erkrankung als wenig hilfreich erwiesen, besonders wenn es um Kinder geht.
Fast immer liegt heisse Konstitution zugrunde
Die verbreitetsten Empfehlungen legen den Ärzten nahe, Kräuterkombinationen zu verschreiben, die in akuten Fällen Wind-Kälte-Muster behandeln, in chronischen Fällen einhergehend mit Lungen-, Milz- und Nierenleere.
Entsprechend ist die in Fällen von Rhinitis aufgrund von Wind-Kälte am häufigsten empfohlene Rezeptur Xiao Qing Long Tang (Dekokt des kleinen blaugrünen Drachen), kombiniert mit Yu Ping Feng San (Windschutz-Jadepulver).
Für die Behandlung in chronischen Fällen werden Liu Jun Zi Tang (Sechs-Gentlemen-Dekokt) und Jin Gui Shen Qi Wan (Nieren-Qi-Pille aus dem goldenen Koffer oder Tresor) empfohlen.
Bauernkinder haben ein deutlich niedrigeres Risiko, Heuschnupfen zu bekommen.
Als Spezialist der Pädiatrie habe ich viele Fälle von allergischer Rhinitis behandelt und behaupte, dass das genannte Behandlungsprotokoll das grundlegend wichtige Klären von Hitze vernachlässigt. Die klinische Praxis zeigt zudem, dass gute Heilungserfolge nur zu erzielen sind, wenn auch die Wurzelursache, nämlich Milz- und Lungen-leere, behandelt wird, nicht nur die Zweige oder akuten Symptome der Erkrankung.
Die Nieren sind zusammen mit der Milz und der Lunge für die Umwandlung von Flüssigkeiten verantwortlich. Und bekanntlich sind die Nieren oft in chronischen Krankheiten involviert. Auch listet jedes Fachbuch der Chinesischen Medizin Nieren-Leere als ein Muster bei Heuschnupfen auf. Dennoch ist es meine Erfahrung, dass eine Nieren-Leere in der alltäglichen Praxis kein häufiges Muster bei allergischer Rhinitis ist, unabhängig vom Alter der Patienten. Zudem ist Nieren-Leere, sei es Yin- oder Yang-Leere, eher selten bei den häufigsten Kinderkrankheiten. Nur bei ganz wenigen Krankheiten wie Entwicklungsstörungen, Bettnässen und Asthma wird Nieren-Leere überhaupt diskutiert.
Es ist also meine Ansicht, dass Patienten mit Heuschnupfen meistens, wenn nicht immer, eine zugrunde liegende heisse Konstitution präsentieren. Diese Überzeugung führte dazu, dass ich skeptisch wurde, die Differenzierung und Behandlung nach Lehrbuch anzuwenden.
Im Folgenden präsentiere ich meine Strategie für die Behandlung der allergischen Rhinitis mit Chinesischen Kräutern. Meine Verschreibungen basieren vor allem auch auf Rezepturen von Dr. Zhu, einem chinesischen Hals-, Nasen- und Ohrenspezialisten aus Hangzhou. Die Verschreibungen führen in der Praxis oft zu erstaunlich schnellen Erfolgen. Ich möchte hier anfügen, dass ich in schwierigen und sehr ausgeprägten Fällen auch Akupunktur anwende und äusserliche Kräuterprodukte wie Nasen-tropfen verschreibe, um symptomatische Verbesserungen zu erzielen.
Schweiz: Bald jeder Fünfte von Pollenallergie betroffen
Auch in der Schweiz haben die Pollenallergien stark zugenommen. Die aktuelle Häufigkeit bei Erwachsenen liegt bei 11 bis 14 Prozent, Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. Bei zwei Dritteln aller Patienten zeigen sich die Symptome vor dem 15. Altersjahr, bei 80 Prozent der Fälle vor dem 20. Altersjahr. Hinter Bluthochdruck sind Heuschnupfen und Allergien das zweithäufigste Gesundheitsproblem in der ambulanten ärztlichen Behandlung der Bevölkerung ab 15 Jahren.Roger Lauener, Leiter Allergologie des Universitäts-Kinderspitals Zürich, sagt: «Noch vor 80 Jahren litten in der Schweiz weniger als zwei Prozent der Bevölkerung unter Pollenallergien, heute ist fast schon jeder Fünfte betroffen.» Interessant ist auch, «... dass das Risiko, Heuschnupfen zu kriegen, bei Bauernkindern dreimal geringer ist als bei Kindern, die im gleichen Dorf lebten und dieselbe Schule besuchten, aber nicht auf einem Bauernhof wohnten.»
Quelle:
http://www.unipublic.unizh.ch/magazin/gesellschaft/ 2005/1578.html
Allergische Rhinitis – die Fakten
Mehr als jeder sechste Kanadier leidet an allergischer Rhinitis, das sind 5,5 Millionen Menschen. In den USA schätzt man die Rate auf 20 Prozent, das heisst, es sind
60 Millionen Menschen betroffen. Je nach Patient und Wohnort kann die Saison der Allergie von den ersten Frühlingstagen bis nach dem ersten grösseren Frost im Herbst dauern.
Allergische Rhinitis wird definiert als Entzündung der Nasenschleimhaut, ausgelöst durch eine allergische Reaktion. Leute, in deren Familien Allergien häufig vorkommen, sind anfälliger für allergische Rhinitis, besonders jene Menschen, die bereits andere atopische, also allergische Beschwerden aufweisen wie etwa Ekzeme oder Asthma.
Meistens setzen die Beschwerden in der Kindheit oder im jungen Erwachsenenalter ein, im Schnitt etwa im Alter von
8 bis 11 Jahren. Dennoch: Allergische Rhinitis kann in jedem Alter auftreten.
Es gibt Berichte, nach denen bis zu 40 Prozent der Kinder von allergischer Rhinitis betroffen sind; diese Rate sinkt dann in höheren Altersgruppen. Die Rhinitis älterer Leute ist weniger häufig allergischer Natur. Allergische Rhinitis kommt unabhängig von der Hautfarbe vor und sie trifft beide Geschlechter, eine Häufung ist im Kindesalter und bei Knaben zu beobachten.
Es gibt zwei Arten von allergischer Rhinitis, die saisonale und die ganzjährige. Die saisonale allergische Rhinitis (SAR) ist als Heuschnupfen bekannt. Im Falle der SAR ruft ein Allergen als Auslöser jährlich ungefähr zur selben Zeit die Symptome hervor. Die meisten Patienten reagieren auf mehr als ein Allergen.
Von ganzjähriger oder perennialer allergischer Rhinitis (PAR) hingegen spricht man, wenn die Allergene, beispielsweise der Kot der Hausstaubmilben oder die Katzenhaare, zu jeder Jahreszeit vorhanden sind.
Die SAR ist häufiger; als unangenehmer betrachtet wird die PAR, weil die Patienten den Allergenen auch in Innenräumen ausgesetzt sind.
Allergische Rhinitis ist derart verbreitet, dass so gut wie jedermann die Hauptsymptome kennt: laufende Nase, Niesen, Juckreiz und verstopfte Nase (vgl. Aufstellung weiter unten).
Während SAR auch zu geröteten Augen führt, verschont PAR die Augen zumeist. Vor allem bei Kindern kann SAR zudem zu einer leichten Blockade der Ohren führen.
Die Heuschnupfenperioden
Saisonale PollinosenWichtigste Allergene
FrühjahrpollinoseBaumpollen
Ende Januar bis FebruarHasel (Corylus)
März bis AprilErle (Alnus)
Birke (Betula verrucosa)
Esche (Fraxinus excesior)
FrühsommerpollinoseGras- und Getreidepollen
Mai bis Mitte JuliDiverse Gräser wie:
Lolch (Lolium perenne)
Knäuelgras (Dactylis glomerata)
Lieschgras (Phlenum pratense)
Roggen (Secale cereale)
Esche (Fraxinus excesior)
SpätsommerpollinoseKräuter- und Sträucherpollen
Ende Juli bis AugustBeifuss (Artemisia)
Behandlungsstrategie
Oben habe ich die Wichtigkeit der Hitze bei allergischen Krankheiten hervorgehoben. Als weitere wichtige Faktoren müssen Schleim und Feuchtigkeit in die Behandlung einbezogen werden.
Wie erwähnt finden sich in den Krankengeschichten von Rhinitis-Patienten oft andere atopische Krankheiten wie Nesselausschlag (Urticaria), Asthma und/oder Ekzeme. In der Praxis zeigen sich diese Erkrankungen typischerweise begleitet von Hitze. Sowohl die Theorie der Ähnlichkeits-transformation von Liu Wan-su als auch die Theorie der sechs Stauungen von Zhu Dan-xi heben hervor, wie wichtig es ist, dieses Element der Hitze zu beachten. Liu Wan-su’s Theorie der Ähnlichkeitstransformation beruht auf der Tatsache, dass der menschliche Körper, das heisst das eigene Qi, warm ist (Yang). Jedes eindringende pathogene Qi wird sich mit der Zeit umwandeln, um sich dem kör-pereigenen Qi anzupassen, in unserem Fall also warm zu werden, Hitze zu entwickeln.
Weiter lässt sich die Häufigkeit von Hitze bei allergischen Krankheiten damit erklären, dass Hitze (Feuer) eine der sechs Stauungen ist. Zur Zeit der Yuan-Dynastie sagte Zhu Dan-xi: «Wenn Blut und Qi in Harmonie sind und frei fliessen, können die Zehntausenden von Krankheiten nicht ausbrechen. Wenn hingegen eine Stauung vorliegt, können alle Krankheiten ausbrechen.»
Die sechs Stauungen betreffen Qi, Blut, Feuchtigkeit, Schleim, Nahrung und Hitze (Feuer). Die Theorie der sechs Stauungen besagt überdies, dass, wenn jemand eine dieser sechs Stauungen hat, sich wahrscheinlich zusätzlich eine oder mehrere der übrigen entwickeln werden.
Im Frühling die Bäume, dann die Gräser, Kräuter und Sträucher: Heuschnupfen-Allergene gibts während rund zwei Dritteln des Jahres. Als noch unangenehmer gelten die Formen ganzjähriger Rhinitis, zum Beispiel die Allergie auf den Kot der Hausstaubmilben.
Symptome der allergischen Rhinitis
  • Jucken der Nase, des Mundes oder Gaumens, der Augen, des Rachens oder der Ohren
  • wässrig-klar laufende Nase (Rhinitis)
  • verstopfte Nase
  • beeinträchtigter Geruchssinn
  • Niesen; kann anhaltend, häufig und heftig sein
  • ödematische Nasenschleimhaut, typischerweise weisslich oder violett gefärbt
  • Schleimfluss von der Nase in den Rachen
  • Tränenfluss
  • dunkle Augenringe
  • Keuchen
  • hartnäckiger Husten, oft rasselnd
  • entzündeter Hals
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit, Übermüdung und Reizbarkeit

  • Zum Beispiel kann eine länger andauernde Ansammlung von Feuchtigkeit sich via Hitze oder Kälte in Schleim umwandeln. Das ist eine einfache Erklärung dafür, dass atopische Patienten oft zuerst Feuchtigkeitskrankheiten wie Ekzeme entwickeln und später Schleimkrankheiten wie Asthma folgen. Feuchtigkeit und Schleim können den freien Fluss des Qi behindern und eine Qi-Stauung verursachen, denn das Qi ist von warmer Natur (Yang) und transformiert leicht Hitze oder Feuer.
    Bei Erwachsenen ist einer der wichtigsten Mechanismen zur Auslösung der verschiedenen Stauungen Leber-Qi-Stag-nation. Diese Stagnation kann dann gemäss Zhu Dan-xi’s Theorie der sechs Stauungen sowohl zur Ansammlung von Schleim oder Feuchtigkeit als auch zu Hitze führen.
    Deshalb scheint es mir wichtig, in der Behandlung von allergischer Rhinitis bei Erwachsenen auch auf eine mögliche Leber-Qi-Stagnation zu achten. Westliche Patienten leiden häufig auch aufgrund der Ernährung und des Lebensstils sowie wegen Stress an Hitze. Schliesslich soll bei der Beurteilung der Hitzeklärung auch das Alter berücksichtigt werden: Je jünger der Patient, desto grösser ist das Potenzial zur Hitzeentwicklung und umgekehrt (Mit jeweils 10 zusätzlichen Altersjahren ergibt sich eine 20-prozentige Abnahme der Häufigkeit von Heuschnupfen.). Kinder haben ja gemäss TCM eine «reine Yang-Konsti-tution». Hitze transformiert sich bei ihnen sehr rasch.
    Der zweite Schlüsselfaktor in der Behandlung von Heuschnupfen, vor allem bei Kindern, ist Schleim und Feuchtigkeit. Pathologische Flüssigkeiten sind auch Schlüsselfaktoren bei Asthma (Schleim) und Ekzem (Feuchtigkeit). Für die Behandlung von Kindern mit allergischer Rhinitis gilt es zum Thema Schleim und Feuchtigkeit zwei wichtige Leitsätze der TCM zu beachten: «Die Milz von Kindern ist noch ungenügend entwickelt.» Und: «Die Milz ist die Quelle der Schleimproduktion.»
    Daraus ergibt sich, dass Schleim und Feuchtigkeit bei vielen Kinderkrankheiten eine zentrale Rolle spielen. Das gilt aber nicht nur für Kinder. Aufgrund einer falschen Ernährung oder wegen Bewegungsmangels leiden auch Erwachsene häufig an einer schwachen Milz.
    Obwohl kein TCM-Lehrbuch Schleim-Feuchtigkeit als ausgeprägtes Muster der allergischen Rhinitis aufführt, kommt diese Krankheit gemäss allgemeiner Auffassung nicht ohne «versteckten Schleim» vor.
    Gemäss der Theorie der sechs Stauungen besteht, wenn Schleim oder Feuchtigkeit vorliegt, eine erhöhte Wahr-scheinlichkeit, dass sich eine der andern Stauungen entwickelt, darunter Hitze oder Feuer. Bei Kindern ent-wickelt sich meist zuerst Schleim, der sich dann in Hitze transformiert; bei Erwachsenen kann sich sowohl Schleim als auch Hitze als Erstes bilden.
    Es scheint mir deshalb klar, dass für die erfolgreiche Behandlung von Heuschnupfen diese zwei Faktoren – Hitze und Schleim beziehungsweise Feuchtigkeit – beachtet werden müssen.
    In meinen Behandlungen hat sich diese Theorie schon etliche Male durch die Heilung von Heuschnupfen bestätigt. Zum Beispiel ergab sich schon mehrmals eine Heilung von allergischer Rhinitis, ohne dass ich sie in die Therapie einbezogen hätte: Sie verschwand von selbst mit dem Asthma oder dem Ekzem, auf das hin ich behandelt hatte. Es folgt ein Beispiel einer solche Behandlung:
    Fallstudie 1
    Giovanni, 29 Jahre alt, Oberlehrer
    Hauptbeschwerde: Pompholyx-Ekzem (Dyshidriotisches Ekzem; Bildung sagokornartiger, juckender Bläschen an Händen und Füssen) an den Händen, speziell an den Fingern, mit starkem Juckreiz. Der Patient klagte über Hautläsionen, die in Form von Blasen beginnen, welche dann aufplatzen und bluten. Auch gelbe Verkrustungen traten auf. Der Patient berichtete, die Läsionen ver-schlimmerten sich bei heissem Wetter sowie durch Reinigungsmittel und Seife. Zudem litt Giovanni seit Langem an allergischer Rhinitis. Diese setzte bei ihm jeweils im August ein, dauerte rund acht Wochen und wurde mit jedem Jahr schlimmer. Seine Zunge war bleich und angeschwollen, es zeigten sich ein Riss in der Mitte und ein landkartenähnliches Muster von dünnem gelbem Belag.
    Musterdifferenzierung: feuchte Hitze, Feuer-Toxine und Wind
    Behandlungsprinzip: Hitze klären, Feuchtigkeit hemmen, Wind ausleiten und Feuer-Toxine auflösen
    Hauptrezeptur
    Coptidis RhizomaHuang Lian6 g
    Scutellariae Baicalensis RadixHuang Qin10 g
    Gentianae Scabrae RadixLong Dan Cao10 g
    Phellodendri CortexHuang Bai6 g
    Taraxaci HerbaPu Gong Ying15 g
    Moutan CortexMu Dan Pi10 g
    Siegesbeckiae HerbaXi Xian Cao10 g
    Coicis SemenYi Yi Ren10 g
    Cortex DictamniBai Xian Pi12 g
    Herba SiegesbeckiaeXi Xian Cao15 g
    Glycyrrhizae RadixGan Cao6 g
    Dioscoreae RhizomaShan Yao10 g
    Mori RamulusSang Zhi6 g
    Tribuli FructusJi Li10 g
    Paeoniae Radix RubraChi Shao10 g
    Forsythiae FructusLian Qiao10 g
    Dosierung: 16 g Granulat pro Tag (entsprechend 129 g der Rohdrogen), gelöst in heissem Wasser, 2-mal täglich eine Tasse
    Während der ersten Wochen wurde für die äusserliche Anwendung auch ein Tauchbad eingesetzt, um die Symptome unter Kontrolle zu bringen. Es enthielt Da Huang (Rhei Radix et Rhizoma), Huang Qin (Scutellariae Baicalensis Radix), Huang Bai (Phellodendri Cortex) und Ku Shen (Sophorae Flavescentis Radix).
    Für die Hauptrezeptur wurden Granulate in den ange-gebenen Dosen eingesetzt. Auch für das Tauchbad setzte ich Granulate ein. Die Rezeptur wurde je nach klinischem Befund laufend modifiziert.
    Blütenkätzchen der Birke.
    Birkenpollen.
    Der Patient nahm die Arznei während vier Monaten ein, um das Ekzem auszuheilen. Spätere Konsultationen während zwei Jahren zeigten kein Wiederauftreten des Ekzems. Während der Behandlung hatte der Patient nicht an seiner allergischen Rhinitis gelitten – und auch diese Krankheit kehrte während mindestens zwei Jahren nicht mehr zurück.
    Der gewählte Behandlungsansatz hatte die allergische Rhinitis geheilt, ohne dass Arzneimittel eingesetzt worden wären, die sich für ein Wind-Kälte-Muster eignen. Zudem war die Behandlung nicht gegen den Grundmechanismus der Krankheit, die Leere, gerichtet. Dieses Fallbeispiel stützt also die Theorie, dass das Klären von Hitze und das Beseitigen von Feuchtigkeit und Schleim Schlüsselfaktoren für die Behandlung von allergischer Rhinitis sind.
    Die Wurzel behandeln
    Alle TCM-Ärzte stimmen darin überein, dass Patienten mit allergischer Rhinitis auch ein geschwächtes Abwehr-Qi aufweisen. Diese Schwäche der Abwehrkraft ermöglicht es Pathogenen, in den Körper einzudringen. Deshalb kommen klinisch gemischte Leere-Völle-Präsentationen vor. Um diese Krankheit erfolgreich zu behandeln, muss man beides gleichzeitig angehen, die Leere und die Völle.
    Es folgt ein Fallbeispiel von einem Kind, das erfolgreich wegen starker allergischer Rhinitis behandelt wurde. Dazu wurden die oben diskutierten Theorien kombiniert: Feuchtigkeit beseitigen, das Qi stärken, das Äussere schützen und zur gleichen Zeit die Hauptsymptome behandeln.
    Fallstudie 2
    Kevin, 15 Jahre alt, Schüler
    Hauptbeschwerde: schwere SAR über die letzten drei Jahre. Der Patient zeigte während des ersten Besuchs die fol-genden Symptome von Heuschnupfen: juckende, wässrige Augen (der Junge rieb sich dauernd die Augen), laufende und verstopfte Nase, kratzender Hals, Niesen, Husten und Nasenbluten. Diese Symptome beeinträchtigten seinen Schlaf und seine Tagesaktivitäten erheblich, besonders den Schulalltag. Kevin hatte ihm verschriebene Medikamente genommen, auch Nasenspray und Augentropfen angewen-det, aber keine Besserung verspürt.
    Auch dieser junge Patient wies in seiner Krankengeschichte zusätzliche atopische Erkrankungen wie Urticaria und Ekzeme auf. Zwei Jahre zuvor war bei Kevin zusätzlich eine Zwangsstörung diagnostiziert worden, er nahm aber zur Zeit seines Besuchs bei mir keine Medikamente. Kevin litt auch an Magenschmerzen mit Krämpfen, Stuhlgang hatte er nur jeden zweiten Tag und er war übergewichtig. Auch Nacken- und Rückenschmerzen hatte der Junge gehabt, diese waren aber durch eine Massagetherapie erfolgreich behandelt worden. Sein Puls war schlüpfrig, seine Zunge war blass und geschwollen mit roten Punkten an den Seiten und an der Spitze.
    Musterdifferenzierung: feuchter Schleim und Hitze, dadurch Verstopfung der Nasenöffnungen, auf der Grundlage einer Milz-und-Lungen-(Abwehr)-Qi-Leere
    Behandlungsprinzip: Hitze klären und feuchten Schleim auflösen, Wind ausleiten und Nase öffnen, Milz und Lunge stärken
    Hauptrezeptur
    Magnoliae FlosXin Yi Hua6 g
    Xanthii FructusCang Er Zi10 g
    Astragali RadixHuang Qi10 g
    Atractylodis Macrocephaleae RhizomaBai Zhu10 g
    Saposhnikoviae RadixFang Feng10 g
    Mori CortexSang Bai Pi10 g
    Scutellariae Baicalensis RadixHuang Qin10 g
    Forsythiae FructusLian Qiao10 g
    Lonicerae CaulisRen Dong Teng15 g
    Luffae Fructus RetinervusSi Gua Luo10 g
    Rubiae RadixQian Cao Gen10 g
    Cicadae PeriostracumChan Tui6 g
    Citri Reticulatae PericarpiumChen Pi6 g
    PoriaFu Ling10 g
    Pogostemi HerbaHuo Xiang10 g
    Dosierung wie oben, Fallstudie 1
    Innerhalb von drei Tagen gingen die Symptome der allergischen Rhinitis um 50 Prozent zurück, der Patient hatte normalen Stuhlgang und keinerlei Bauchschmerzen oder Verdauungsbeschwerden mehr. Nach dreiwöchiger Behandlung war Kevin völlig geheilt. Eine Nachkontrolle ein Jahr später ergab keine nennenswerten Rückfälle.
    Cang Er Zhi ist eine typische Arznei in Rhinitis-Rezepturen.
    Zusammen mit Xin Yi Hua verteilt es das Lungen-Qi und befreit die Nasenöffnungen. Cang Er Zhi nicht überdosieren; Vorsicht bei länger dauernder Anwendung.
    Diskussion der Rezeptur und Analyse der Arzneimittel
    Xin Yi Hua und Cang Er Zi sind die beiden wirkungsvollsten Arzneimittel bei Problemen der Nase unter Einschluss aller Arten von allergischer Rhinitis und Nebenhöhlenentzün-dungen. In Kombination leiten sie Wind aus, lösen die Oberfläche, verteilen das Lungen-Qi und befreien die Nasenöffnungen.
    Die Kombination kommt in der klassischen Rezeptur Cang Er Zi San (Xanthium-Pulver) zur Anwendung. Cang Er Zi ist süss, bitter, warm, leicht giftig und tritt in die Leber und die Lunge ein. Die Arznei kann innerlich und äusserlich gegen allergische Rhinitis eingesetzt werden. Man sagt von Cang Er Zi, dass es im oberen Teil des Körpers die Nase be-handle, im unteren die Knie und die Lenden. Bei Anwen-dung über längere Zeit ist Vorsicht geboten. (Unvorbehan-deltes Cang Er Zi kann toxisch wirken. Die Vorbehandlung (meist Rösten) vermindert die Toxizität stark. Rösten maximiert übrigens auch die Extraktion der aktiven Inhaltsstoffe und verbessert so die Wirkung. Zeichen einer Überdosierung sind Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel und Appetitlosigkeit. Starke Überdosierung kann zu Gelbsucht, Hepatitis und Nephritis (Nierenentzündung) führen.).
    Xin Yi Hua hat eine deutliche antiallergische Wirkung. Es kann ebenfalls innerlich und äusserlich zur Behandlung von allergischer Rhinitis angewendet werden.
    Huang Qi, Bai Zhu und Fang Feng sind die Komponenten von Yu Ping Feng San (Windschutz-Jadepulver). Diese Drei-Komponenten-Rezeptur ist die klassische Arznei, um wirksam das Äussere zu schützen und das Abwehr-Qi zu stärken, um das Eindringen äusserer Übel zu verhindern und übermässiges Schwitzen zu stoppen.
    In akuten Fällen setze ich oft Bai Zhi (Radix Angelicae Dahuricae) anstelle von Bai Zhu ein. Bai Zhi ist scharf und warm, es tritt in den Magen, die Milz und die Lunge ein. Das Kraut hat die Funktionen Wind ausleiten, Feuchtigkeit trocknen, Schwellungen auflösen und Schmerz lindern (vor allem in den Nebenhöhlen der Nase).
    Bai Zhi behandelt im oberen Teil des Körpers nasalen Ausfluss, im unteren vaginalen. Dieses Arzneimittel kann über längere Zeit angewendet werden als Cang Er Zi und ist darum geeignet, dieses zu ersetzen, wenn längere Anwendung nötig ist.
    Huang Qin und Sang Bai Pi klären Hitze der Lunge, ohne das aufrechte Qi zu schädigen. Die Nase ist das Tor zur Lunge. Huang Qin klärt vor allem den oberen Erwärmer und beseitigt auch Feuchtigkeit, die durch Hitze und An-schwellen der Nasenschleimhaut hervorgerufen wird.
    Auch Bai Zhi kommt in fast jeder Rhinitis-Rezeptur vor. Es trocknet Feuchtigkeit und lässt Schwellungen abklingen, vor allem in den Nasennebenhöhlen.
    Lian Qiao klärt Hitze, löst Toxine auf, vertreibt äusserliche Wind-Hitze, löst Schwellungen auf und zerstreut Verkno-tungen. Lian Qiao ist ein wichtiges Heilmittel in der Pädiatrie, weil es Hitze klären kann, die aus Nahrungs-stagnation entsteht (gemäss der Theorie der sechs Stauungen). Deshalb ist Lian Qiao in der klassischen Rezeptur Bao He Wan (Harmonie erhaltende Pille) enthalten. Man muss sich vor Augen halten, dass dieses Arzneimittel in das Herz, die Leber, die Gallenblase und die Lunge eintritt: alles Regionen, in denen sich bei Kindern leicht Hitze ansammelt.
    Si Gua Luo ist süss und neutral, es tritt in die Lunge, den Magen und die Leber ein. Nach Lehrbuch leitet es Wind aus, kräftigt die Leitbahnen (das heisst es eignet sich für Schmerzen in den Muskeln und Gelenken aufgrund eines Feuchte-Hitze-Musters) und löst Schleim auf (das heisst, es eignet sich für Husten aufgrund von Hitze in der Lunge).
    Si Gua Luo wird sowohl für Kinder als auch für Erwachsene verschrieben.
    Ren Dong Teng ist der Stängel derselben Pflanze, aus der Jin Yin Hua gewonnen wird und hat ähnliche Wirkungen. Das Mittel wird oft eingesetzt bei Bi-Syndromen aufgrund von Wind und feuchter Hitze. Nach meiner Erfahrung lässt sich Ren Dong Teng auch bei andern Krankheitsbildern einsetzen, in denen feuchter Schleim zusammen mit Hitze vorkommt, so bei Ekzemen, Mandelentzündung (Tonsillitis), Knötchen an den Stimmbändern sowie bei allergischer Rhinitis.
    Dr. Zhu, der erwähnte Hals-, Nasen- und Ohrenspezialist aus Hangzhou, glaubt, dass dieses Mittel deshalb wichtig ist, weil es den Fluss der Netzwerkgefässe befreien und Toxine auflösen kann. Allgemein wird angenommen, dass Arzneimittel mit dem Wort teng im Namen (Ji Xue Teng, Luo Shi Teng, Ye Jiao Teng etc.) die Fähigkeit haben, in die Netzwerkgefässe einzutreten. Deshalb werden diese Mittel zu Rezepturen beigegeben, wenn diese Wirkungsweise erreicht werden soll.
    Auch von Si Gua Luo gilt, dass es in die Netzgefässe eintreten kann. Dr. Zhu kombiniert es mit Ren Dong Teng, um Knötchen an den Stimmbändern, Tonsillitis und allergische Rhinitis zu behandeln.
    Qian Cao Gen wird oft gegen Allergien eingesetzt. Dr. Zhu verwendet dieses bittere und kalte Arzneimittel in der Be-handlung von allergischer Rhinitis. Chan Tui und Fang Feng wirken beide stark Wind ausleitend und sind aufgrund ihrer anitiallergischen Wirkung wichtige Mittel in der Behandlung aller atopischen Erkrankungen. Chen Pi, Fu Ling und Huo Xiang nähren indirekt die Milz, indem sie Qi regulieren sowie feuchten Schleim umwandeln und trocknen. Huo Xiang befreit die Oberfläche und löst Sommerhitze, also saisonale feuchte Hitze auf.
    Robert Helmer
    Bearbeitung: Simon Becker
    aha! Information und Beratung für Betroffene
    Die Patientenorganisation aha!, Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma, bietet Betroffenen und Interessierten eine Reihe kostenloser Broschüren zum Thema Allergien. Diese können per Telefon (031 359 90 00) und Mail (info@ahaswiss.ch) bestellt oder unter www.allergiehilfe.ch eingesehen werden.
    Persönliche Fragen beantworten die Fachpersonen der aha! Infoline, Tel. 031 359 90 50, Mo.–Do. 09.00–11.30.


     
     
    Wissen > Fachzeitschrift "EXTRAKT" > Ausgabe 3 2005 > Leitartikel Aria-Media.com