Email Site Map Lian Chinaherb YouTube Channel Lian Chinaherb Facebook  
 
 
 
 
 
Bi-Syndrome
aller Arten
Klassische und moderne Behandlung
 
 
Von Polyarthritis über Ischiasschmerzen bis zur Periarthritis der Schulter: In der Chinesischen Medizin fallen diese und andere Schmerzkrankheiten in die Kategorie der Bi-Syndrome. «EXTRAKT» bringt eine Typologie, nennt die wichtigsten klassischen Rezepturen und fasst vier moderne TCM-Studien aus China zusammen.
Bi heisst auf Chinesisch Blockade oder Behinderung. In der Chinesischen Medizin steht es für eine Gruppe von spezifischen Krankheiten, die Bi-Syndrome oder Bi-Krankheiten. Gemäss dem chinesischen Leitsatz «Tong zhe bu tong, bu tong zhe tong» gilt, dass Schmerzen dann auftreten, wenn der freie Fluss des Qi behindert oder blockiert ist. Somit stehen Bi-Syndrome im weitesten Sinne für Schmerzkrankheiten. Bi-Syndrome können weiter unterteilt werden. Die zwei klinisch häufigsten Unter-kategorien sind das Brust-Bi (xiong bi) und das Bi in den Gelenken und Extremitäten. Letzteres ist ein Sammelbegriff für arthritische und rheumatische Beschwerden.
Typologie und grundsätzliche Behandlungsstrategien
Grundsätzlich werden vier Typen von Gelenk- und Extre-mitäten-Bi-Syndromen differenziert:
• Wind-Bi: wandernde Schmerzen
• Feuchtigkeit-Bi: Schwellungen, Schweregefühl, Steifheit; schlimmer bei Feuchtigkeit
• Kälte-Bi: ausgeprägte stationäre Schmerzen; schlimmer bei Kälte
• Hitze-Bi: Rötung und Hitze der Schmerzregion; schlimmer bei Hitze
Es könnten noch zwei weitere «Grundtypen» beigefügt werden. Wie unten in der Fallstudie 4 erklärt, kann auch Flüssigkeiten- und Yin-Mangel zu Schmerzen führen. Xian Zhuo-hang erklärt: «Sind die Yin-Flüssigkeiten verbraucht und erschöpft, werden die Sehnen und Gefässe nicht mehr genährt und werden spasmodisch.» Dies führt zu Schmer-zen. Charakterisierend bei Yin-Mangel-Schmerzen sind spasmodische oder brennende Schmerzen in Kombination mit einem dünnen und hageren Körper, einer dunklen, roten und belaglosen Zunge. Nicht wenige ältere Patienten dürften diesem Muster entsprechen.
Weiter ist bei chronischen Bi-Syndromen sehr häufig auch Blutstase involviert. Blockiert Feuchtigkeit, Kälte oder Wind die Leitbahnen und den Fluss von Qi und Blut, so führt dies nach einer gewissen Zeit zu Blutstase. Diese zeigt sich durch stechende Schmerzen, die sich in der Nacht ver-schlimmern. Häufig findet man bei diesen Patienten auch andere Blutstasezeichen wie Besenreisser, gestaute Unterzungenvenen und, vor allem, einen chronischen, hartnäckigen, oft therapieresistenten Krankheitsverlauf.
Wenn Blutstase die Flüssigkeiten blockiert, wandeln diese sich in Schleim um, es entsteht Schleimstase. Sie ist gekennzeichnet durch Deformation der Gelenke und kommt meist nur bei chronischem Krankheitsverlauf vor. Die Behandlung von Schleimstase ist schwierig und langwierig und bedarf solch starker Mittel wie Mo Yao (Myrrha), Ru Xiang (Olibanum), Dan Nan Xing (Arisaemae Pulvis cum bile) und Bai Jie Zi (Sinapis Semen).
In der Praxis zeigt sich ein Bi-Syndrom praktisch immer als eine Kombination der genannten Faktoren. Dabei gilt grundsätzlich, dass Wind in den meisten Fällen der Träger ist und sich mit einem, zwei oder gar drei weiteren pathogenen Faktoren verbindet. Sehr häufig zeigen sich Wind-Feuchtigkeit-Kälte und Wind-Kälte. Bei akuten Gichtattacken oder einem Schub von Polyarthritis hingegen handelt es sich häufig um Wind-Hitze oder Wind-Feuchtigkeit-Hitze. Wie erwähnt kann zu diesen Bi auslösenden Faktoren in chronischen Fällen, oder wenn das Bi durch ein Trauma verursacht wird, noch Blutstase hinzukommen. Im Falle von Deformitäten der Gelenke spricht man von Schleimstase.
Zusammen mit anderen Schmerzkrankheiten gehört in der Chinesischen Medizin auch die Polyarthritis zu den Bi-Syndromen.
Rezepte der Klassiker
Dies bedeutet, dass man in der Praxis immer eine Kombi-nationsstrategie anwenden muss, um das Bi effizient zu therapieren. Diese Kombinationstherapie wird bereits in den meisten klassischen Rezepturen für Bi-Syndrome berücksichtigt. Die bekanntesten klassischen Rezepturen* für Bi-Syndrome sind:
• Juan Bi Tang (Bi lösendes Dekokt; aus: «Yi xue xin wu»)
In dieser Rezeptur sind die besten Mittel gegen Wind-Feuchtigkeit-Bi wie Qiang Huo (Notopterygii Rhizoma et Radix), Du Huo (Angelicae Pubescentis Radix), Hai Feng Teng (Piperis Futokadsurae Caulis) und Sang Zhi (Mori Ramulus) vereint mit wenigen wärmenden und Blut bewegenden Mitteln. Juan Bi Tang ist die klassische Rezeptur für die Behandlung von Wind-Kälte-Feuchtigkeit-Bi-Syndromen.
• Gui Zhi Shao Yao Zhi Mu Tang (Dekokt aus Zimt, Paeonia und Anemarrhena)
Diese Rezeptur vereint heisse Mittel wie Gui Zhi (Cinnamomi Ramulus) und Fu Zi (Aconiti Radix Lateralis Praeparata) mit kühlen wie Bai Shao (Paeoniae Radix Alba) und Zhi Mu (Anemarrhenae Rhizoma). Das Dekokt behandelt kaltes Bi, welches aufgrund der Stagnation Hitze transformiert. Es zeigen sich also die klassischen Bi-Symptome wie Schmer-zen, Steifheit und Schwellungen, aber in Kombination mit Hitzezeichen wie warmen und leicht geröteten Gelenken. Diese Rezeptur ist exzellent, wenn die Hitze nur gering, aber doch klar vorhanden ist, die Leitbahnen, Gefässe und Gelenke jedoch durch Feuchtigkeit und Kälte blockiert sind.
Gui Zhi, Zimtäste, heiss in der Temperatur und scharf im Geschmack, befreit die Leitbahnen von Kälte.

• Xuan Bi Tang (Befreie Bi-Dekokt)
Diese Rezeptur stammt aus der Wen bing-Theorie, sie behandelt also Feuchte-Hitze-Bi. Die Rezeptur kombiniert vor allem Feuchtigkeit ausleitende und Hitze klärende Mittel. Im Vergleich zu Bai Hu Jia Gui Zhi Tang (siehe unten) ist sie wesentlich weniger stark Hitze klärend. Sie wird eingesetzt, wenn die Hitzesymptome nicht sehr ausgeprägt sind. Wenn sich starke Hitzesymptome zeigen, eignet sich die folgende Rezeptur.
• Bai Hu Jia Gui Zhi Tang (Weisser Tiger mit Zimt-Dekokt)
Als Variation der Hauptrezeptur für Hitze in der Qi-Schicht, das heisst für ein Fülle-Hitze-Muster, ist diese Rezeptur bei akutem, heiss-feuchtem Bi indiziert. Hitzesymptome sind ausgeprägt und zeigen sich mit Fieber, Durst, Unruhe, starkem Schwitzen und heissen Gelenken.
• Du Huo Ji Sheng Tang (Angelica und Taxillus-Dekokt)
Die Funktion dieser Rezeptur spiegelt sich in ihrem Namen wider: Das klassische Feuchte-Kälte-Mittel für die unteren Extremitäten Du Huo (Angelicae Pubescentis Radix) wird kombiniert mit dem Nieren stärkenden, Blut bildenden und Leitbahnen be-freienden Sang Ji Sheng (Taxilli Herba). Die Rezeptur ist indiziert für kaltes Bi-Syndrom, welches von einem Mangel begleitet wird. Da die Rezeptur stärkende Mittel aus den Nieren-, Blut-,
Yin-, Yang- und Qi-Kategorien enthält, kann sie bei praktisch allen kalten Bi-Syndromen, welche sich mit einem Mangel präsentieren, eingesetzt werden. Zu beachten gilt, dass sie vor allem auf die unteren Extremitäten wirkt. Es ist also die Rezeptur für die Behandlung der klassischen Arthrose älterer Leute.
• Xiao Huo Luo Dan (Kleine Rezeptur zur Aktivierung der Netzwerkgefässe)
Diese Rezeptur vereint die heissesten Leitbahnen be-freienden Mittel mit starken Blut brechenden Substanzen. Dazu kommt noch der Regenwurm, welcher ebenfalls die Leitbahnen «durchkriecht» und damit befreit. Es handelt sich also um eine stark wirksame Rezeptur für kaltes Bi-Syndrom in Kombination mit Blutstase. Da ebenfalls ein Schleimmittel enthalten ist, kann die Rezeptur auch als Grundelement für Schleimstase, das heisst bei Defor-mitäten, verwendet werden. Wenn zusätzlich Mangel-erscheinungen vorliegen, muss die Rezeptur entsprechend modifiziert werden.
• Shen Tong Zhu Yu Tang (Blutstase lösendes Dekokt gegen Schmerzen im Körper)
Das ist die klassische Rezeptur für Blutstase-Bi-Syndrom. Sie stammt aus dem Qing-Dynastie-Klassiker «Yi lin gai cuo» («Korrekturen der Fehler im medizinischen Wald»), der auch Ursprung ist für die berühmten Blutstase lösenden Rezepturen Xue Fu Zhu Yu Tang (Haus-des-Blutes-Blutstase lösendes Dekokt), Ge Xia Zhu Yu Tang (Dekokt, das Blutstase unterhalb des Zwerchfells auflöst) und Shao Fu Zhu Tang (Unterleib-Blutstase lösendes Dekokt). Ist Blutstase vorherrschend und sind die Schmerzen über den ganzen Körper verstreut, ist Shen Tong Zhu Yu Tang immer eine gute Grundrezeptur. Bei starken Mangelzeichen muss sie jedoch mit stärkenden Mitteln erweitert werden. Gemäss dem Autor dieser Rezeptur, Wang Qingren, ist Shen Tong Zhu Yu Tang immer dann angezeigt, wenn das Bi-Syndrom nicht auf andere Rezepturen anspricht.
Beim Brust-Bi wird meist eine Variation von Gua Lou Xie Bai Bai Jiu Tang bei Herz-Yang-Mangel mit Schleim und Kälte oder, im Falle von Blutstase, Xue Fu Zhu Yu Tang eingesetzt.
Die moderne Behandlung von Bi-Syndromen
Die häufigsten Westlichen Krankheiten, welche in der täglichen Praxis als Bi-Syndrome der Extremitäten und Gelenke behandelt werden, sind Arthrose und Arthritis, spezifisch auch Polyartrithis, Gicht, Spondylopathie und Ischiassyndrom. Von einem Brust-Bi spricht man bei Angina pectoris oder Herzinfarkt-Schmerzen.
Die erwähnten klassischen Rezepturen sind für die Praxis exzellente Startpunkte für die Behandlung der verschie-denen Bi-Syndrome. Sie müssen jedoch so modifiziert werden, dass sie optimal auf den Patienten und dessen Schmerzen abgestimmt sind. Handelt es sich zum Beispiel um Knieschmerzen aufgrund von Kälte-Feuchtigkeit mit Leber- und Nierenmangel, so wählt man als Zusatz eventuell Niu Xi (Achyranthis Bidentatae Radix) und Du Huo (Angelicae Pubescentis Radix), um die Rezeptur in die unteren Extremitäten zu führen, Blut zu aktivieren und Feuchte-Kälte auszuleiten. Handelt es sich um chronische Kälte-Bi-Schmerzen in den Fingern, so kann man Sang Zhi (Mori Ramulus), Luo Shi Teng (Trachelospermi Caulis) und Qiang Huo (Notopterygii Rhizoma et Radix) beigeben, um die Rezeptur in die Finger zu bringen und die Leitbahnen in diesem Bereich zu befreien.
Es folgen nun vier übersetzte Fallstudien aus der modernen chinesischen Literatur, welche die Schmerztherapie ver-schiedener Krankheiten beleuchten und erklären. Die ersten drei beschreiben mögliche Therapien von Ischiasschmerzen, Periarthritis der Schulter sowie akuter und chronischer Polyarthritis. Die vierte Studie beschreibt die Behandlung von Yin-Mangel-Schmerzen und bezieht sich auf verschie-denste Arten von Schmerzen, von Angina- bis Ischias-schmerzen.
Fallstudie 1
Xiao Tong Tang (Schmerz zerstreuendes Dekokt) in der Behandlung von 54 Fällen mit Ischiassyndromen
Ceng Fang-qin in: «Xin Zhong yi» (Journal der Neuen Chinesischen Medizin), Nr. 1, 1999, S. 46
Alle Patienten in dieser Studie litten an einem Ischias-syndrom und wurden ambulant behandelt. Von den 54 Patienten waren 32 Männer und 22 Frauen. Ihr Alter lag zwischen 20 und 82 Jahren, der Durchschnitt bei 43 Jahren. Die Krankheit dauerte im kürzesten Fall seit einer Woche; im längsten seit 12 Jahren.
Behandlungsmethode
Die Grundrezeptur Xiao Tong Tang bestand aus folgenden Mitteln:
Huang QiAstragali Radix15 g
Xi XinAsari Radix et Rhizoma3 g
Ji Xue TengSpatholobi Caulis30 g
Fang FengSaposhnikoviae Radix10 g
Gui ZhiCinnamomi Ramulus10 g
Bai ShaoPaeoniae Radix Alba10 g
Dang GuiAngelicae Sinensis Radix10 g
Qin JiaoGentianae Macrophyllae Radix10 g
Mu GuaChaenomelis Fructus10 g
Du ZhongEucommiae Cortex10 g
Du HuoAngelicae Pubescentis Radix10 g
Wei Ling XianClematidis Radix et Rhizoma10 g
Sang Ji ShengTaxilli Herba10 g
vorb. Ru XiangOlibanum5 g
vorb. Mo YaoMyrrha5 g
Modifikationen
Gemäss Musterdifferenzierung wurden folgende Mittel zur Grundrezeptur beigegeben:
Bei Kälte Gui Zhi (Cinnamomi Ramulus), Chuan Wu (Aconiti Radix Praeparata), erhöhte Dosis Fang Feng (Saposhnikoviae Radix)
Bei Hitze Sang Zhi (Mori Ramulus) und Huang Qin (Scutellariae Radix)
Bei Feuchtigkeit Cang Zhu (Atractylodis Rhizoma) und Fang Ji (Stephaniae Tetrandrae Radix)
Bei Schmerzen im Lendenbereich Xu Duan (Dipsaci Radix) und Gou Ji (Cibotii Rhizoma)
Bei Qi-Mangel Dang Shen (Codonopsis Radix) und Bai Zhu (Atractylodis Macrocephalae Rhizoma)
Bei Appetitlosigkeit Sha Ren (Amomi Fructus) und Jiao San Xian: Shen Qu (Massa Medica Fermentata), Mai Ya (Hordei Fructus Germinatus Praeparatus), Shan Zha (Crataegi Fructus)
Bei Krämpfen in Sehnen Di Long (Pheretima)
Bei Blutstase Hong Hua (Carthami Flos)
Die Rezeptur wurde als Wasserdekokt zubereitet, pro Tag war eine Portion einzunehmen.
Das scharfe und warme Dang Gui nährt und bewegt das Blut.

Behandlungserfolg
Von den 54 Patienten erfuhren 46 eine Heilung. Als Heilung wurde definiert, dass sich die Schmerzen sowie die anderen körperlichen Symptome lösten und während des folgenden Jahres nicht wieder erschienen. Bei fünf Patienten war das Ischiassyndrom stark verbessert. Dies bedeutete, dass die Schmerzen markant nachliessen oder ganz verschwanden und sich auch die übrigen Symptome verbesserten. Nach dem Absetzen der Kräuter verschlimmerten sich die Symptome nicht wieder. Bei zwei Patienten war das Ischiassyndrom leicht verbessert: Die Schmerzen wurden reduziert und die übrigen Symptome leicht verbessert. Ein Patient erfuhr keine Wirkung. Im Ganzen lag demnach die Verbesserungsrate bei 98 Prozent.
Grundsätzlich verbesserten sich die Schmerzen nach zwei Wochen Arzneitherapie. Nach einem Monat waren die meisten geheilt. Die längste Therapiedauer betrug drei Monate.
Diskussion des Autors
Die klinischen Symptome des Ischiassyndroms sind Schmerzen im Lendenbereich, welche in die unteren Extremitäten ausstrahlen und sich dort als dumpfe, stechende oder krampfartige Schmerzen zeigen. Die Hauptgründe für das Entwickeln eines Ischiassyndroms sind gemäss dem Autor dieses Artikels Müdigkeit, kaltes Wetter, starke Schmerzen mit Taubheit, akute Krämpfe und eingeschränkte Bewegung.
Die Leber kontrolliert die Sehnen, die Nieren kontrollieren die Knochen. Gemäss dem Autor folgt das Ischiassyndrom in den meisten Fällen einem Leber- und Nierenmangel mit einer Insuffizienz an Blut und Qi, einer gleichzeitigen Blockade von Qi und Blut sowie fehlender Ernährung der Sehnen und Gefässe. Das Syndrom kann jedoch auch aufgrund einer Erschöpfung der Leber und der Nieren, des Blutes und des Qi auftreten. Dies ermöglicht pathogenen Faktoren ein leichtes Eindringen. Das Eindringen von Wind, Nässe und Kälte verschlimmert die Schmerzen weiter.
So wird diese Krankheit durch den äusseren pathogenen Faktor Wind-Kälte-Nässe zusammen mit Leber- und Nieren- sowie Qi- und Blutmangel verursacht. Die Behandlung muss demnach die Leber und die Nieren nähren, Blut und Qi regulieren, Wind ausleiten, die Leitbahnen befreien und die Netzwerkgefässe aktivieren.
In dieser Rezeptur stärkt Huang Qi (Astragali Radix) das Qi; Dang Gui (Angelicae Sinensis Radix) und Bai Shao (Paeoniae Radix Alba) nähren Leberblut; Du Zhong (Eucommiae Cortex), Sang Ji Sheng (Taxilli Herba) und Mu Gua (Chaenomelis Fructus) nähren Nieren und Leber und stärken die Sehnen. Gui Zhi (Cinnamomi Ramulus), Qin Jiao (Gentianae Macrophyllae Radix), Fang Feng (Saposh-nikoviae Radix), Xi Xin (Asari Radix et Rhizoma), Du Huo (Angelicae Pubescentis Radix) und Wei Ling Xian (Clematidis Radix et Rhizoma) leiten Wind-Feuchtigkeit aus und stoppen Schmerzen.
Ru Xiang (Olibanum) und Mo Yao (Myrrha) aktivieren Blut und stoppen Schmerzen. Ji Xue Teng (Spatholobi Caulis) aktiviert und nährt Blut. Weiter beruhigt es Leitbahnen und Netzwerkgefässe.
Fallstudie 2
Akute rheumatoide Arthritis: die Behandlung von 50 Patienten mit Jia Wei Zhong Jiao Xuan Bi Tang
Zhang Yong in: «Si chuan zhong yi», Nr. 2, 1999, S. 32–33
Insgesamt wurden 50 Patienten behandelt. Diese zeigten folgende Symptome: akuter Krankheitsbeginn, die Beschwerden traten in der Nacht oder am frühen Morgen auf. Als erstes Gelenk war das erste Metatarsalgelenk involviert; später wurden auch die proximaleren Gelenke der Ferse, der Finger und des Fusses sowie andere kleinere und mittlere Gelenke in Mitleidenschaft gezogen. Das involvierte Gelenk präsentierte sich mit Rötung, Schwellung, Hitze und ausgeprägtem Schmerz. In einigen Fällen waren die Symptome so stark, dass die Patienten nicht stehen konnten. Gleichzeitig zeigten sich Symptome wie Fieber, erhöhte Leukozytenwerte und verlängerte Sedimenta-tionsrate. Der Harnsäuregehalt im Blut lag bei 420 µmol/l. Röntgenaufnahmen zeigten bei 12 Patienten normale Gelenke, bei 38 Patienten gelenknahe Erosionen.
Von den 50 Patienten waren 48 Männer und 2 Frauen. Das Alter lag zwischen 21 und 48 Jahren. Bei 38 Patienten war die aktuelle Attacke rezidivierend; bei 12 Patienten handelte es sich um eine erste Attacke. Die aktuelle Attacke dauerte bereits 12 Tage im längsten und 7 Tage im kürzesten Fall. Der Durchschnitt lag bei 9 Tagen. 21 Patienten wurden bereits mit antiinflammatorischen und Schmerz stillenden Medikamenten behandelt. Bei 18 Patienten zeigten sich jedoch gastrointestinale und bei 3 Blutnebenwirkungen. Die übrigen 29 Patienten hatten noch keine Medikamente eingenommen.
Behandlungsmethode
Die Grundrezeptur bestand aus folgenden Substanzen:
Mu Fang JiStephaniae Tetrandrae Radix10 g
Xing RenArmeniacae Amarum Semen10 g
Hua ShiTalcum10 g
Lian QiaoForsythiae Fructus10 g
Shan Zhi ZiGardeniae Fructus10 g
Ban XiaPinelliae Rhizoma10 g
Ru XiangOlibanum10 g
Chao Jia Zhu (Chuan Shan Jia)Squama Manis10 g
Chuan Niu XiCyathulae Radix10 g
Chi ShaoPaeoniae Radix Rubra10 g
Chi Xiao DouPhaseoli Semen30 g
Jin Yin HuaLonicerae Japonicae Flos30 g
Yi Yi RenCoicis Semen15 g
Can ShaBombycis Mori Excrementum15 g
Dan ShenSalviae Miltiorrhizae Rx et Rh15 g
Modifikationen
Bei relativ hohem Fieber und eindeutig erhöhten Blutwerten wurden Shi Gao (Gypsum Fibrosum), 30 g, und Qing Dai (Indigo Naturalis), 12 g, beigefügt. Bei reduziertem Appetit oder Magen-Darm-Schmerzen wurde Can Sha (Bombycis Mori Excrementum) auf 10 g reduziert und es wurden Mu Xiang (Aucklandiae Radix), 10 g, und Ji Nei Jin (Gigeriae Gallli Endothelium Corneum), 15 g, beigefügt. Pro Tag nahmen die Patienten eine Dosis ein, aufgeteilt in drei Portionen.
Behandlungserfolg
Starker Behandlungseffekt bedeutete, dass die Rötungen, Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken stark reduziert waren; die Körpertemperatur, die Blutwerte und die Blutkörperchensenkungsreaktion im normalen Bereich waren und der Harnsäuregehalt im Blut sich reduzierte. Von einem mässigen Behandlungserfolg sprach man, wenn die Rötungen, Schwellungen und Schmerzen in den Gelenken sich reduzierten, die Körpertemperatur normal oder nur noch ganz leicht erhöht war und die Blutwerte und die Blutkörperchensenkungsreaktion fast normal ausfielen. Verbesserten sich diese Kriterien nicht positiv, wurde von einem fehlenden Therapieerfolg gesprochen.
Nach dieser Bewertung zeigte sich bei 41 Patienten ein starker Behandlungseffekt, bei 9 Patienten ein mässiger Behandlungserfolg. Die Therapie dauerte zwischen 5 und 9 Tagen mit einem Durchschnitt von 7 Tagen. Es zeigten sich keine Nebenwirkungen.
Diskussion des Autors
Zhong Jiao Xuan Bi Tang stammt aus Wu Ju-tong’s «Wen bing tiao bian» (Systematische Differenzierung der warmen Krankheiten). Die Rezeptur ist angezeigt bei feuchter Hitze, welche in die Knochen eindringt. In der ursprünglichen Rezepturbeschreibung sind die Symptome so umschrieben: «Angesammelte Feuchtigkeit und grosse in den Leitbahnen und Netzwerkgefässen schwelende Hitze, Frösteln und starkes Fieber, Knochenschmerzen, dunkel gestaute Zunge und eine fahl gelbliche Gesichtsfarbe». Gemäss der Chinesischen Medizin entsprechen die Symptome und Zeichen der akuten Polyarthritis dem Muster feuchte Hitze in den Knochen. Dies führt zu einer Blockade der Leit-bahnen und Netzwerkgefässe und zu Blutstase mit Hitze. Fang Ji (Stephaniae Tetrandrae Radix) stösst kräftig die Feuchtigkeit in den Leitbahnen und Netzwerkgefässen aus. Xing Ren (Armeniacae Amarum Semen) ist eines der besten Mittel, um Lungen-Qi zu öffnen. Lian Qiao (Forsythiae Fructus) und Chi Xiao Dou (Phaseoli Semen) trennen und klären feuchte Hitze aus der Qi-Schicht und der Blutschicht. Der fade Geschmack von Yi Yi Ren (Coicis Semen) löst das Akute und stoppt Schmerzen. Ban Xia (Pinelliae Rhizoma) reguliert mit seiner Schärfe und neutralen Temperatur Kälte und Hitze. Can Sha (Bombycis Mori Excrementum) trans-formiert das klare Qi innerhalb der Trübheit im Magen-Darm-Trakt. Zhi Zi (Gardeniae Fructus) und Hua Shi (Talcum) eliminieren die feuchte Hitze durch den Urin. Die Zugabe von Dan Shen (Salviae Miltiorrhizae Radix et Rhizoma) und Ru Xiang (Olibanum) verstärkt die Stase umwandelnde und Netzwerkgefässe befreiende Wirkung der Rezeptur. Breiten sich Stase und Hitze aus, werden noch Chi Shao (Paeoniae Radix Rubra) und Jin Yin Hua (Lonicerae Japonicae Flos) beigefügt, um Blut zu kühlen, Stase zu transformieren und Hitze zu klären. Weil die Rötungen, Schwellungen und Schmerzen oft die Gelenke in den unteren Extremitäten befallen, wird durch die Zugabe von Chuan Niu Xi (Cyathulae Radix) die Wirkung der Rezeptur nach unten geleitet. Ganz spezielle Aufmerksamkeit gilt auch Chuan Shan Jia (Squama Manis). Dieses Mittel hat stark durch-dringende Eigenschaften; es gibt keinen Ort, den es nicht erreichen könnte. So verstärkt Chuan Shan Jia (Squama Manis) die Blut anregende und Stase lösende Wirkung der Rezeptur weiter.
Fallstudie 3
Periarthritis humeroscapularis (Schultersyndrom)
Wu Yue in: «Si chuan zhong yi» (Sichuan Journal der Chinesischen Medizin) Nr. 12, 1998, S. 42
In der Therapie des Schultersyndroms (Periarthritis humeroscapularis) werden normalerweise Physiotherapie, Schmerzspritzen ins Schultergelenk sowie entzündungs-hemmende und schmerzstillende Medikamente zum Einnehmen eingesetzt. Die Autoren behandelten 37 Patienten innerlich und äusserlich mit Chinesischen Arzneimitteln. 27 Patienten (73 Prozent) wurden geheilt, das heisst, nach der Therapie verspürten sie keine Schmerzen und keine Bewegungseinschränkungen mehr, auch nicht bei der Nachuntersuchung ein Jahr später. Sechs Patienten (17 Prozent) erreichten eine Verbesserung, das heisst, die Schmerzen reduzierten sich, die Aussenrotation blieb jedoch eingeschränkt. Vier Patienten (10 Prozent) erfuhren keine Verbesserung der Symptome. Die Verbes-serungsrate lag somit bei 90 Prozent.
Behandlungsmethode
Die Patienten wurden mit Ji She Jiu (Spatholobus und Zaocys-Alkohol) behandelt. Diese Rezeptur besteht aus:
Ji Xue TengSpatholobi Caulis50 g
Gui ZhiCinnamomi Ramulus30 g
Du ZhongEucommiae Cortex30 g
Wu Shao SheZaocys20 g
Hong HuaCarthami Flos10 g
Diese Mittel wurden in 2500 ml weissem Schnaps eingelegt und von Anfang Mai bis Mitte September 50 cm tief in der Erde vergraben. Danach wurde das Mittel angewendet. Einerseits sollten zum Mittag- und Abendessen je 20–50 ml eingenommen, andererseits sollte es äusserlich einmassiert werden. Ein Behandlungszyklus dauerte sieben Tage. Nach zwei bis drei Zyklen trat normalerweise eine Besserung ein.
Ru Xiang bricht Blutstase und ist bei allen Staseschmerzen angezeigt, vor allem auch bei Deformationen aufgrund von Schleimstase.

Diskussion des Autors
Das Schultersyndrom ist eine den Alltag beeinträchtigende Beschwerde und kommt vor allem bei Frauen häufig vor. Als Krankheitsmechanismus wird eine degenerative Verän-derung der Weichteile des Schultergelenkes angenommen. Ein pathogener Faktor schränkt die Bewegung weiter ein. Gemäss Chinesischer Medizin liegt der Grund für das Schultersyndrom im Eindringen von Wind-Kälte in die Gelenke. Dies blockiert den freien Fluss von Qi und Blut sowie die Leitbahnen, woraus dann die Schmerzen entstehen.
In der Rezeptur Ji She Jiu wärmen Ji Xue Teng (Spatholobi Caulis), Hong Hua (Carthami Flos), Gui Zhi (Cinnamomi Ramulus) und Du Zhong (Eucommiae Cortex) das Blut und die Leitbahnen, regulieren das Blut und lösen Stase. Wu Shao She (Zaocys) wärmt die Leitbahnen und zerstreut Kälte. Der Schnaps verstärkt die Wirkung der Heilkräuter.
Fallstudie 4
Die Behandlung von 82 Patienten mit einem Schmerz-syndrom mit der Methode Yin nähren und das Akute lindern (zi yin huan ji)
Xian Zhuo-hang in: «Bei jing zhong yi» (Beijing Journal der Chinesischen Medizin) Nr. 12, 1998, S. 43
Insgesamt wurden 82 Patienten behandelt. Davon waren 63 Männer und 19 Frauen. Das Alter variierte zwischen 21 und 72 Jahren. Alle litten an einem Schmerzsyndrom: 10 Patienten an Kopfschmerzen, 16 Patienten an einer Spondylopathie der Halswirbelsäule, 3 Patienten an Anginaschmerzen und 53 Patienten an Ischias. Die Patien-ten litten an spasmodischen oder brennenden Schmerzen. Waren diese heftig, zeigten sich Krämpfe (chou chu) sowie Ziehen und Erlahmung (qi zong). Der Körper der Patienten war dünn und abgemagert, die Zunge war dunkel, rot und dünn und der Puls war saitenförmig (xian) und dünn (xi).
Behandlungsmethode
Alle Patienten wurden mit einer Modifikation von San Jia Fu Mai Tang behandelt. Die Grundrezeptur bestand aus:
Bai ShaoPaeoniae Radix Alba15-30 g
E JiaoCorii Asini Colla15-30 g
Zhi Gan CaoGlyc. Rx et Rh Praep. cum Melle12-18 g
Sheng Di HuangRehmanniae Radix20-30 g
Gui Ban (vorkochen)Testudinis Plastrum30 g
Bie Jia (vorkochen)Trionycis Carapax25-30 g
Mai DongOphiopogonis Radix10 g
Chuan Shan JiaSquama Manis10 g
Ling Yang JiaoSaigae Tataricae Cornu10 g *
Huo Ma RenCannabis Semen10 g
* Diese Spezies ist vom Aussterben bedroht und durch CITES geschützt. Das Mittel kann durch Shang Yang Jiao (Capri Cornu) ersetzt werden.
Modifikationen
Bei Kopfschmerzen wurde Xia Ku Cao (Prunellae Spica) beigefügt. Bei Nackenschmerzen wurde Ge Gen (Puerariae Lobatae Radix) beigefügt, bei Angina Dan Shen (Salviae Miltiorrhizae Radix et Rhizoma), bei Lumbalschmerzen Du Zhong (Eucommiae Cortex) und bei Schmerzen im Bein Huai Niu Xi (Achyranthis Bidentatae Radix).
Pro Tag wurde eine Dosis eingenommen.
Behandlungserfolg
Falls sich die Schmerzen komplett lösten, wurde von einer eindeutigen Wirkung gesprochen. Falls sich die Schmerzen nur wenig reduzierten, wurde der Behandlungserfolg als gering eingestuft. Keine Wirkung bedeutete, dass sich die Schmerzen durch die Behandlung nicht änderten. Gemäss diesen Kriterien wurden bei den verschiedenen Schmerz-zuständen folgende Resultate erzielt:
Kopfschmerzen: Von den insgesamt 10 Fällen verspürten 5 Patienten eine eindeutige Wirkung, 4 eine geringe Verbesserung und 1 Patient keine Wirkung.
Nackenschmerzen: Von den insgesamt 16 Fällen verspürten 9 Patienten eine eindeutige Wirkung, 5 eine geringe Verbesserung und 2 keine Wirkung.
Angina: Von den insgesamt 3 Patienten verspürten 2 eine eindeutige Wirkung und 1 Patient eine geringe Wirkung.
Ischiassyndrom: Von den insgesamt 53 Patienten verspürten 33 Patienten eine eindeutige Wirkung, 16 eine geringe Verbesserung und 4 keine Wirkung.
Die Verbesserungsrate lag somit bei 91 Prozent.
Diskussion des Autors
Schmerzen können entstehen durch Wind, Kälte und Feuchtigkeit, Qi-Stagnation oder Blutstase, welche die Sehnen und Gefässe blockieren, aber auch durch Leere von Yin, Yang, Qi oder Blut. Sind die Yin-Flüssigkeiten verbraucht und erschöpft, werden die Sehnen und Gefässe nicht mehr genährt und werden spasmodisch. Dies führt zu Schmerzen. Die Behandlungsstrategie folgt in diesen Fällen der Aussage im «Su wen», Kapitel «Zhi zhen yao da lun»: «Bei Trocken-heit befeuchte, bei Akutem entspanne.» Werden die Yin-Flüssigkeiten genährt und tonisiert, können die Sehnen und Gefässe wieder befeuchtet werden. Dadurch entspannt und besänftigt man Spasmen, die Schmerzen lösen sich.
San Jia Fu Mai Tang stammt aus Wu ju-tong’s «Wen bing tiao bian». Darin heisst es zu dieser Rezeptur: «Bei Wärme-Erkrankungen (wen bing) im unteren Erwärmer dringt Hitze in den Kern vor. Der Puls ist dünn und kraftlos, das Herz schlägt stark, wie erschreckt. Falls heftig, zeigt sich auch Herzschmerz. San Jia Fu Mai Tang ist die Hauptrezeptur dafür.» Dies zeigt, dass San Jia Fu Mai Tang Herzschmerzen behandeln kann. Mit geeigneten Modifikationen kann die Rezeptur jedoch auch bei anderen Schmerzen aufgrund eines Yin-Mangels gute Wirkungen erzielen.
Xi Xin ist heiss und scharf, aber auch etwas giftig. Es stoppt Schmerzen effizient durch seine starke Leitbahnen befreiende Funktion.
Zusammenfassung
Unsere Zusammenstellung erscheint als buntes Gemisch aus verschiedenen Krankheiten, von akuter Polyarthritis über Ischiasschmerzen bis zur Periarthritis der Schulter. In der Chinesischen Medizin fallen jedoch alle diese Krank-heiten in die übergeordnete Kategorie der Bi-Syndrome. Alle vier Studien, wie unterschiedlich die Krankheiten auch lokalisiert sein mögen, befassen sich mit einer Art von Bi-Syndrom: Hitze-Feuchtigkeit-Bi bei akuter Polyarthritis, Wind-Kälte-Bi bei Periarthritis, Wind-Kälte-Bi in Kombination mit einem Nieren- und Lebermangel bei Ischiassyndrom und trockenes Bi aufgrund von Yin-Mangel als generelles Schmerzsyndrom. Letzteres ist weniger bekannt, dürfte aber bei älteren Patienten gar nicht selten anzutreffen sein.
Interessant ist ein genauerer Blick auf die Zusammen-setzung der Rezepturen: Unabhängig vom Muster werden immer auch Blut bewegende Mittel eingesetzt. Dies unterstreicht, wie wichtig diese Substanzen in der modernen Therapie sind. In klassischen Rezepturen findet man die Blut bewegenden Mittel wesentlich weniger häufig. Zum Beispiel enthalten eine Mehrzahl der zu Beginn diskutierten klassischen Rezepturen für die verschiedenen Bi-Syndrome keine Blut bewegenden Mittel. In der heutigen Praxis ist das genau umgekehrt. Diese Erkenntnis sollte für einen guten Therapieerfolg unbedingt ins Rezeptieren mit einfliessen. Gemäss Chinesischer Medizin tritt eine chronische Krankheit in die Netzwerkgefässe ein. In den Netzwerkgefässen fliesst Blut. Mit anderen Worten führen chronische Krankheiten zu Blutstase. Das heisst, alle Therapien gegen lang währende Bi-Syndrome wie Arthrose oder rheumatische Beschwerden bei älteren Patienten profitieren von Blut bewegenden Mitteln, auch wenn sich die Blutstase nicht so eindeutig wie mit Staseflecken auf der Zunge zeigt.
Ebenfalls zeigt sich aus obigen Übersetzungen, dass scharf-warme Mittel auch zu den Hauptarzneien für kalte und feuchte Bi-Syndrome gehören. Scharfe Arzneimittel wie Gui Zhi (Cinnamomi Ramulus), Xi Xin (Asari Radix et Rhizoma) und Wei Ling Xian (Clematidis Radix et Rhizoma) sind aktiv und bewegen. Wärme aktiviert das Yang-Qi weiter und fördert dadurch Bewegung von Qi und Blut. So haben scharf-warme Mittel eine zwar nicht ausgeprägte, aber dennoch signifikante Wirkung in der Unterstützung von Blut bewegenden Mitteln und werden in der Therapie der Bi-Syndrome häufig kombiniert.
Als Letztes bleibt die Zugabe von Blut nährenden und befeuchtenden Mitteln zu diskutieren. Ausser im Fall der akuten Polyarthritis integrieren alle in den Studien angeführten Rezepturen einige Arzneien dieser Kategorie. Den Grund hierfür zeigt wahrscheinlich am besten die letzte Studie, jene über Yin-Mangel-Schmerz-Krankheiten: Blut, und ganz speziell Leberblut, nährt die Sehnen und Bänder. Nur wenn diese befeuchtet werden, können sie sich geschmeidig bewegen. Trocknen die Leber und damit auch die Sehnen und Bänder aus, so werden diese steif und schmerzen. Ein speziell hervorzuhebendes Mittel unter den Blut nährenden ist Bai Shao (Paeoniae Radix Alba). Es nährt nicht nur Leberblut, sondern wirkt auch entspannend. Die entspannende Wirkung wird besonders hervorgehoben, wenn man saures Bai Shao (Paeoniae Radix Alba) mit süssem Zhi Gan Cao (Glycyrrhizae Radix et Rhizoma Praeparata cum Melle) kombiniert. Die süss-saure Kombination entspannt Sehnen und Bänder und löst Krämpfe.
Zudem schützen die Blut nährenden Substanzen auch vor einer Schädigung des Blutes durch die trockenen, scharfen und warmen sowie die Blut bewegenden Arzneien.
Simon Becker und Jiaoken Kuhne
Sauer im Geschmack, entspannt Bai Shao (Bild) in Kombination mit süssem Gan Cao die Sehnen und Bänder und löst Krämpfe.
 
 
Wissen > Fachzeitschrift "EXTRAKT" > Ausgabe 2 2006 > Leitartikel Aria-Media.com